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Kurzgeschichten zum Thema Großstadt - Profilkurs 11 DeutschWeihnachten - Fest des Glücks?Kann ja keiner wissen, dass Mr. BIG ein beschissener Betrüger ist. Nun sitzt sie da, mit ihren fliegenden Sternen im Kopf, die einfach nur frei und glücklich herunterfallen. Am Abend geht sie zu ihren *Freunden*, die am Zoo-Treff auf sie warten. Es sind die gleichen, trostlosen, grauen, hoffnungslosen und verbrauchten Gestalten wie sie selbst eine ist. Darunter auch der flinke Jeremy. So wird er genannt, weil er bei den Bullen immer am schnellsten wegrennt. Den findet Miri toll, aber Jeremy nimmt nur Mädchen, die Geld haben. Das was Miri hat, will sie aber nicht teilen. Es ist der 22. Dezember. Der Himmel verschüttet wieder winzige, kleine, leichte, weiße und freie Sterne. Immer wenn es schneit, muss sie an ihre Kindheit denken - sie ist erst 16 Jahre jung - und an ihren Lieblings - Film *Lauras Stern*. Dieses Jahr hat sie sich vorgenommen, es bis Weihnachten zu schaffen. Von Frankfurter - Tor bis Schlesisches - Tor, das ist einerseits ihr verhasster, und andererseits ihr sehnsüchtiger und erwartungsvoller Weg. In der Nähe des U - Bahnhofes wohnt ihre Mutter. Der würde sie gern ihren größten Wunsch erfüllen, ihr ihre alte Tochter wiedergeben. Doch die alte Miri ist tot. Es ist der 24. Dezember um 12 Uhr und die Menschen sind glücklich. Der Alex ist voll, alle wollen sie noch schnell die letzten Sachen besorgen. Sie sehen aus wie kleine Ameisen. Miri und ihre Freunde sind bei Burger King auf dem Klo und spritzen sich ihr Weihnachtsgeschenk. Sie sind glücklich, Doch wieder hat sie das Geschenk für ihre Mutter nicht. Irgendwann wacht sie auf. Liegend, auf einem Bett aus Wolle - kalter, weißer und weicher Wolle. Weihnachten ist vorbei. So wie die letzten zwei Jahre ist sie den sehnsüchtigen und mit Hoffnungen gefüllten Weg nicht gegangen. Dieser scheint mit Feuer bedeckt zu dein und ist deshalb nicht betretbar, weil er zu heiß ist. Sie muss auf Regen warten, um ihn begehen zu können. Nun ist sie allein und denkt wieder an die kleinen, leichten und freien Sterne.
Charline Nickel Alles UmsonstDunkler, wolkenverhangener Himmel, am Fenster bahnen sich die Wassertropfen einen Weg nach unten, einen Weg ins nirgendwo. Menschengetümmel auf dem Bahnsteig, man hört den Bahnhofswärter "zurückbleiben bitte" sagen und das Summen der Motoren vermittelt einem das Gefühl der Ungewissheit. Der nasse Regen schlägt wie eine Faust auf die Scheibe, bloß der junge Mann am anderen Ende des Waggons übertönt mit seiner Musik, die aus seinen großen Kopfhörern tönt, den Zorn des tosenden Nasses. Eine ältere Frau liest einen Roman über den "Sinn des Lebens", ein Mann im mittleren Alter blättert gerade zum Sportteil der Zeitung um und ein junges Pärchen tauscht lautstark Informationen über den neusten Modeschrei aus, eigentlich eine typische S-Bahn Szene, bis auf den seltsam anmutenden Mann inmitten einer Horde stress-geplagter, sich nach Erholung sehnender Menschen. Doch plötzlich taucht dieser Mann auf, er wirkt auf den ersten Blick leicht verwirrt, naiv, aber doch sympathisch. Doch die Leute sind ihm nicht zugewandt, er ist schmutzig, riecht ein wenig und sieht aus wie ein Flüchtiger. Dieser Mensch will ihnen etwas mitteilen, es liegt eine Art Neugier in der Luft, alles ist still. Es ertönen Laute, sie schallen durch den Waggon und beschweren sch über Gott und die Welt, über Politik, Wirtschaft, Rassismus usw. und diese Laute dringen sogar durch die großen Kopfhörer des Teenagers, der seine Ohren gespitzt hat. Doch es regnet nicht mehr, die Sonne kommt heraus und der Prophet (seiner selbst) hinterlässt nur für kurze Zeit bleibende Spuren auf dem Parkett unseres Seins. Aber warum tat er das? War es vielleicht nur eine Bühne für einen gescheiterten Schauspieler oder wollte er einfach nur Last abwerfen? Man weiß es nicht, die wie erstarrten Zuhörer wachen aus der Hypnose auf, wie jeden Tag öffnen sich die Türen des Zuges und der Großstadt-Dschungel hat sie wieder.
Marius Dörner Begegnung Er sitzt dort allein. Verlassen von Hoffnung und Glück. Er sitzt dort auf einer Bank. Einsam. Er starrt auf seine Schuhe. Abgenutzte, dreckige Schuhe. Ein Schatten wirft sich auf seine Schuhe. Er schaut auf. Vor ihm steht ein junger Mann in einem verschlissenem Mantel. Sie sehen sich an. Der junge Mann fragt: "Haben sie etwas Geld für mich?" Der Andere schüttelt den Kopf. Sie sehen sich noch immer an. Der junge Mann wendet sich ab und geht weiter. Der Andere sieht ihm nach und satg dann: "Warte!" Der junge Mann, verdutzt und hoffnungsvoll, kommt zurück. Sie sehen sich an. Nach einer Weile sagt der Andere: "Hier, nimm! Ist zwar nicht mehr ganz frisch aber wird wohl noch ganz gut schmecken." Der junge Mann nimmt das halbe Brötchen, nuschelt : "Danke!", und Fluten von Tränen laufen sein Gesicht hinunter. Der Andere bittet ihn sich zu setzten. Sie sitzen dort. Essen ihr Brötchen. Sie sitzen dort auf einer Bank. Zu zweit und haben einander. In diesem Moment sind sie nicht allein auf der Welt.
Anne-Katrin Grunert Ohne DachJeden neuen Tag liegt er, einsam und verlassen, auf einer Bank mitten im Park. Es ist Ende Herbst: kalt, dunkel und kahl. Pünktlich um 7.00 Uhr, zum Glockenschlag schaut er hinüber zum Kirchturm. Alle vorbeilaufenden Personen, die hektisch zu ihrer Arbeit, fast schon rennen, werden von ihm kaum beachtet. Er starrt auf den Glockenturm und zählt mit bibbernder Stimme die Schläge der prächtigen Turmuhr mit: eins ..., zwei..., drei…, … , sechs…, sieben …! Beim Ende des letzten Schlags richtet er sich auf und will seinen morgendlichen Parkrundgang beginnen. Von seinem Vorhaben wird er jedoch durch ein kleines, mitleidig dreinschauendes Mädchen abgehalten. Sie schaut den alten, in Lumpen gehüllten Mann an und ihr Gesichtsausdruck verrät nichts weiter als Mitleid, nur tiefstes Mitleid! Sie fängt an in ihrer Schultasche zu kramen, sucht… und findet. Sie holt ein in weißes Papier gehülltes Brot aus ihrem Ranzen und legt es behutsam auf die Bank, neben den alten Mann. Dann läuft sie los, mit schnellen Schritten Richtung Ausgang, durch das von vertrockneten Pflanzen verwachsene Eisentor und weg ist sie. Das kleine, sorgvolle Mädchen. Zurück bleibt nur der Obdachlose, mit blasser durch die Kälte geprägter Miene, nun wieder verlassen und einsam auf seiner Bank. Jedoch mit einem Brot, mit einem Brot voller Liebe. Nach sechs weiteren Glockenschlägen kommt das kleine Mädchen eilig um die Ecke unter dem eisernen Tor in den Park gebogen, und geht geradewegs auf die Parkbank zu. Doch der alte, ausgehungerte Mann ist verschwunden. Es liegt nur noch das weiße Papier der Brotstulle auf der Bank, der Bank mitten im Park.
Janina Müller Der Sinn des LebensWütend war er, als er nach Hause fuhr, mit seinem chicken Mercedes. Was hatte der Chef zu ihm gesagt? Der Fall war ein Flop? Seine Verteidigung ein Flop? Jung war er, klug und studiert. Schlau wie ein Fuchs hatte man ihn bezeichnet, damals als man ihn als Rechtsanwalt einstellte. Ja, damals hatte er große Träume. Er wollte hoch hinaus, zu einem bedeutenden Rechtsanwalt werden, sich einen Namen in der Branche machen. Aber wozu der Ehrgeiz? Zu viel Unrecht, so empfand er, gab es auf der Welt. Er wollte helfen, mit seiner Intelligenz Menschen, die in Not und Bedrängnis geraten sind, aus dem Tief des Lebens holen. Ihnen einen Sinn des Leben geben. Außerdem hatte er ja eine tolle Frau an seiner Seite. Sie war jung. Sie war bildhübsch und sie unterstützte ihn in jeder Hinsicht. Sie war der Traum eines jeden Mannes. Damals, 20 Jahre ist es nun her. Heute geht es nur noch um eins: Geld. Flopt der Fall, schadet es dem Ruf, ein schlechter Ruf bringt keine Kunden und keine Kunden bringen kein Geld. Er hielt kurz an einem Supermarkt an. Denn es gab ja auch noch die Frau in seinem Leben. Der 15. Hochzeitstag. Naja, da reicht ja auch Žne billige Flasche Wein, so viel ist ihm die Ehe ja nun auch nicht mehr Wert. Spätestens nach dem 3. Kind hätte sie ja wenigstens etwas abnehmen können und immer diese Nörgelei, bring den Müll raus, tu dies, tu das, nie hilfst du mir im Haushalt. Immerhin war er es, der das Geld brachte. Er ging Arbeiten. Sie hütet ja nur die Kinder und ab und an gab es auch mal etwas Gutes zum Essen. Er nahm den billigsten Wein, bezahlte diesen und ging. Er wollte gerade in seinen Wagen einsteigen, als er hörte: "Bitte eine kleine Spende." Er drehte sich um. Er erkannte eine alte, kümmerliche Figur mit zerfetzten, verdreckten Klamotten. Eine grüne Mütze bedeckte seine ungepflegten Haare. Unwürdig blickte er de Mann an. Dann stieg er ein und fuhr los. Er selbst hatte ja genug Probleme, was scherte es ihn dann also so ein Penner? Der überlebt diesen Winter ja sowieso nicht. Wie ein Blitz schlug es ein. Was war mit ihm passiert? Was war aus ihm, seinem Ziel, seinen Träumen geworden? Dem Sinn des Lebens! Was ist dieser Sinn des Lebens? Der Sinn des Lebens besteht aus Überzeugung. Denn es ist die Überzeugung die den Menschen am Leben hält. Der Überzeugung gutes zu tun, Menschen zu helfen. Menschen glauben, sie sind überzeugt, dass der Sinn des Lebens existiert. Sie sind überzeugt, dass die wahre Liebe existiert. Stirbt die Überzeugung, so stirbt der Sinn des Lebens und so stirbt der Mensch. Es regiert dann nur noch eins: Geld.
Jasmin Homann
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