Sie sind hier: Fachbereiche > Deutsch > Kreatives Schreiben
 
 

Im Projekt zum kreativen Schreiben stellte sich der Profilkurs der Aufgabe, mögliche Anfänge für Romane zu schreiben. Die ersten Eröffnungen sollten dabei nicht länger als drei Sätze betragen. Nach der Vorstellung dieser ersten Sätze wurden die Texte bis auf eine halbe Seite ausgebaut. "Echte" Romane sind nach diesen spannenden Einleitungen sehr gut vorstellbar…


Im Spinnennetz!

Es ist August und noch dazu der heißeste Tag seit 10 Jahren. Captain Marino hat soeben die Nachricht bekommen, dass wieder eine Tote gefunden wurde. Er ruft sofort seine Partnerin Kelly an, die gerade zu Hause ist und eigentlich ihren freien Tag hat. * Wir haben wieder mal eine. Wieder auf dem Highway. Ich hol dich in einer halben Stunde ab.* Sie kommt gar nicht erst zu Wort, da hat er schon wieder aufgelegt. Kelly ist erst seit kurzem bei der Polizei und hat es als Frau schwer, sich zu beweisen, und als ob das nicht schon genug wäre, wird sie auch noch Captain Marinos Partnerin. Jeder weiß, dass er nicht der umgänglichste Typ ist und noch dazu schwer konservativ. Na gut, was bleibt ihr anderes übrig, als sich fertig zu machen und bereit zu sei, wenn er kommt. Punkt 7:30 klingelt er an der Haustür. Eine halbe stunde später sind sie am Fundort. Als Kelly aus dem Auto steigt, erdrückt sie eine Hitzewelle. Es sind schon die ersten Reporter da. Sie geht zu der Toten. Sie ist blond, ungefähr 1,75 Meter und schlank. Genau wie sie, nur, dass Kelly einen kleinen Schönheitsfleck über der Lippe hat. Robert, der Leichenbeschauer, sagt ihr, dass sie seit mindestens 5 Stunden tot ist und erdrosselt wurde. *Ist das ihre Tasche?* *Ja, ich denke schon. Hier.* Kelly öffnet die Tasche, ihr Geldbeutel ist da, genauso wie ihr Führerschein, ihr Handy und ihre Schlüssel. Sie schaut sich am Tatort um. Wie ist sie hier hergekommen? Es ist kein Auto zu sehen, wie bei den letzten drei Opfern. *Hey Kelly, guck nicht nur rum, versuch Beweise zu finden und halt den Tatort mit der Kamera fest!* *Ja, ist dir schon aufgefallen, dass ihr Auto nicht hier ist, obwohl sie einen Führerschein in ihrer Tasche hat? Ihre Personalien sind auch alle hier!* Marino sieht grimmig zu ihr herüber. * Dem Schwein ist es total egal, ob wir wissen, wer sie ist.* *Mhh, dass stimmt. Ich denke, er legt es darauf an, dass wir sie schnell finden. Er spielt mit uns!*

Charline Nickel

Tropf, tropf...

Blut tropft auf den modrigen Kellerboden - es ist mein Blut!

Ich hänge hier, kopfüber in völliger Dunkelheit und Kälte. Mein Blut läuft mir langsam über Hals, Kinn und Schläfe, bis es mir dann von der Stirn tropft. Wie bin ich hier nur hergekommen?

Langsam öffnet sich eine knarrende Tür hinter mir und gleißendes Sonnenlicht fällt in den Raum. Ich versuche meine Arme schützend über meine Augen zu legen, aber ich kann nicht. Nun versuche ich mich durch Pendeln zu drehen, doch ich kann nicht. Mein ganzer Körper schmerzt. Ich krümme mich und versuche bei Bewusstsein zu bleiben, doch ich kann nicht. Vor mir sehe ich immer mehr Sternchen, bis plötzlich wieder alles schwarz wird.

Wieder erwache ich, doch diesmal ist es heller als vorher. Ein Mann mit angsteinflößendem Gesicht steht vor mir. Er ist komplett in Schwarz gekleidet. Er kommt einige Schritte auf mich zu, bis er nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt ist.

"Na Darren, so sieht man sich wieder." Ein grausames Lächeln umspielt seine Lippen und ich weiß, dass mir nichts Gutes bevorsteht. "Nun sag schon, wie lange ist es her, dass wir uns zuletzt sahen?" Ich hasse seine übertriebene Freundlichkeit. Wir beide wissen nur zu gut, was jetzt auf mich zukommt, wieso also dieses geschwollene Gerede? "Nun sag schon was, oder hat es dir die Sprache verschlagen?" Ich denke kurz nach, halte es aber für sinnvoll nichts zu sagen. "Sag schon was, oder soll ich die Worte aus dir herausprügeln?" Wieder sage ich nichts, doch das ist ein großer Fehler: Er hebt das Knie und schmettert es mir mit voller Wucht gegen meinen Kopf. Sternchen fliegen umher und alles wird schwarz.

Caroline Sydow

Lamia

Der Mond stand hoch am Horizont, als die Turmuhr 12 schlug.

Sein schein brach sich in den Fluten des Meeres und ihre Augen waren klar wie der Sternenhimmel. Sie zogen mich in ihren Bann und ich konnte nicht entfliehen.

Wer war diese Frau und warum fühlte ich mich so zu ihr hingezogen?

Sie spielte mit mir, keine Frage, und genau das ist es wahrscheinlich, was ich so an ihr bewunderte.

Es war ein völlig neues Gefühl, denn schließlich war ich immer derjenige, der bekam, was er wollte und nicht selten wurden dabei Herzen gebrochen.

Ihre Schönheit faszinierte mich, doch etwas an ihr schien mir nicht richtig...

Ich betrachtete sie noch ein klein wenig länger, das kalte Licht der Laterne auf ihrem Haar, die wohlgeformten Lippen.

Und plötzlich sah ich es!

Seit sie mich in dieser Bar an der 6th Avenue angesprochen hatte, fühlte ich immer ein leichtes ziehen in meiner Magengegend, doch durch das gedämmte Licht konnte ich nicht feststellen woran es lag.

Doch hier, unter dem Licht des Vollmondes, bemerkte ich, was nur einige Stunden zuvor ein Unwohlsein in mir ausgelöst hatte.

Ihr Blick!

Mit diesen Augen konnte sie töten, das waren die Augen eines Mörders.

Mich durchlief ein leichtes Zittern, das sie zu bemerken schien.

,,Was ist los?", sagte sie mit einer so sanften Stimme, dass mir beinahe das Herz stehen blieb.

,,Ni..., nichts ist los. Ich habe nur gerade... deine Augen...", wie konnte jemand mit so einer engelsgleichen Stimme nur solch grausame Augen besitzen?

,,Oh, viele sagten mit bereits, sie könnten meinem Blick nicht standhalten."

Sie lächelte und kam näher auf mich zu.

Ihre Bewegungen waren so grazil und jeder Schritt schien perfekt mit dem Rest ihres Körpers zu harmonisieren.

Sie küsste meinen Hals und ich schloss die Augen, gab mich ihr vollkommen hin.

Doch plötzlich breitete sich ein brennender Schmerz in meiner Seite aus, ich sah sie mit weit aufgerissenen Augen an, ein grausames Lächeln umspielte ihre Lippen.

"Du solltest auf deine innere Stimme hören, mein süßer."

Ich bemerkte noch, wie sie die Klinge aus mir herauszog und wollte etwas sagen, doch kein Ton kam über meine Lippen.

Ich sah an mir herab. Blut!

Und alles wurde schwarz...

Volkmar Metze

 
 
↑ Seitenanfang ↑
 
© 2006 - 2012, Anna - Seghers - Schule
Design: B.Hoffmann und E.Hoecker | Template: Daniel Fuhrmannek
Das CMS System Websitebaker ist unter der GNU General Public License veröffentlicht. Autor des System ist Ryan Djurovich.