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„Man hat uns nun einmal von klein auf angewöhnt, statt uns der Zeit demütig zu ergeben,
sie auf irgendeine Weise zu bewältigen.“
Anna Seghers: Der Ausflug der toten Mädchen

Wir, die Kolleginnen und Kollegen und Schülerinnen und Schüler
der Anna-Seghers-Schule in Berlin
nehmen Abschied
von der Tochter Anna Seghers’
 

Dr. med. Ruth Radvanyi
28.5.1928 – 18.7.2010

Ruth Radványi gestorben

Nach langer Krankheit ist am 18. Juli in einem Seniorenheim in Berlin-Weißensee Ruth Radványi gestorben, die Tochter

von Anna Seghers und László Rádvanyi. 1928 geboren, ist sie 1933 mit ihren Eltern aus Nazi-Deutschland emigriert, verbrachte Kindheit und Jugend in Paris und Mexiko. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte sie in Paris Medizin, lebte aber seit den 50er Jahren in Berlin und arbeitete später einige Jahre als Kinderärztin in einem Hospital auf der Insel Pemba/ Tansania. Mit ihrem Bruder, Pierre Radványi, unterstützte sie die Arbeit des Aufbau-Verlages bei der Herausgabe der

Werke ihrer Mutter. Zu deren 100. Geburtstag im Jahr 2000 ist sie mit einer Anna-Seghers-Ausstellung an die Öffentlichkeit getreten. […].

Monika Melchert
(ND 21. Juli 2010)

Nachdem die Entscheidung gefallen war, dass unsere Schule den Namen der bekannten Schriftstellerin Anna Seghers tragen sollte, gab es eine Festveranstaltung, auf der eine Gedenktafel am Schulgebäude enthüllt wurde, die Schülerinnen und Schüler während eines sehr interessanten Programms zeigten, was sie können, und Dr. Ruth Radvanyi als Ehrengast eine kleine Rede hielt. Ich erinnere mich noch genau daran, wie sie uns ansprach, wie ihre Worte in die Köpfe drangen, weil sie Wahrheiten aussprach, nicht als jemand, der belehren oder sich in den Mittelpunkt drängen wollte, sondern als eine Frau, die viel aus ihrem Leben zu berichten hatte. Natürlich war es spannend zu hören, was sie mit ihrer Mutter, Anna Seghers, erlebt hatte, wie sie ihre Mutter sah, eben nicht nur als bedeutende Schriftstellerin, deren Romane wie „Das siebte Kreuz“ weltberühmt sind, sondern als Familienmensch. Zwei Aussagen sind mir besonders im Gedächtnis haften geblieben:

Die Kinder mussten immer zur Schule gehen, egal, an welchem Punkt ihres Exils sie waren, lernten dadurch Menschen kennen, andere Sprachen und erfuhren, was es hieß, menschlich und solidarisch zu sein.

Es ist immer wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen!

In diesem Sinne werden wir weiterhin die Tradition pflegen und auch Ruth Radvanyi in unserem Gedächtnis behalten.

Birgit Burmeister
Fachbereichsleiterin Deutsch
30. Juli 2010

 
 
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